Eine Abschlussarbeit wird zum Digital-Health-Produkt: Die App AddiHelp nutzt Künstliche Intelligenz, um Menschen mit Suchterkrankungen rund um die Uhr zu begleiten – und bindet dabei erstmals auch Therapeutinnen und Therapeuten aktiv ein.
Rund sieben Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer Abhängigkeitserkrankung – häufig durch Alkohol oder Tabak. Die Versorgungslücke zwischen regulären Therapiesitzungen ist dabei eines der größten Risiken für Rückfälle. Genau hier setzt AddiHelp an: eine KI-gestützte Gesundheitsanwendung, die aus einer Weiterbildungs-Abschlussarbeit hervorgegangen ist und nun kurz vor der Fertigstellung eines ersten funktionsfähigen Prototyps steht.
Von der Idee zum Produkt
Der Entwickler Michael Dreesbach konzipierte AddiHelp ursprünglich im Rahmen seiner beruflichen Weiterbildung zum Innovations- und KI-Manager. Die zentrale Fragestellung seiner Arbeit – wie Künstliche Intelligenz Menschen mit Suchterkrankungen im Alltag unterstützen kann – führte direkt zu einem realen Produkt. Heute treibt Dreesbach die technische Umsetzung eigenfinanziert und nach agilen Entwicklungsprinzipien (Scrum) voran.
Digitale Begleitung in kritischen Momenten
AddiHelp richtet sich an Menschen mit Suchterkrankungen oder erhöhtem Rückfallrisiko. Die App versteht sich ausdrücklich nicht als Ersatz für professionelle Therapie, sondern als digitale Ergänzung – verfügbar genau in den Momenten, in denen keine therapeutische Fachkraft erreichbar ist. Zu den geplanten Kernfunktionen zählen:
• KI-gestützter Dialog zur täglichen Begleitung und emotionalen Stabilisierung
• Screening-Mechanismen zur Früherkennung von Risikosituationen
• Psychoedukative Inhalte zu Suchtmechanismen und Bewältigungsstrategien
• Personalisierte Impulse zur Stabilisierung in kritischen Phasen
Therapeuten-Dashboard: Brücke zwischen App und Praxis
Ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal von AddiHelp ist das integrierte Therapeuten-Dashboard. Während vergleichbare Gesundheits-Apps ausschließlich auf Patientenseite agieren, bindet AddiHelp therapeutische Fachkräfte aktiv in den Begleitprozess ein. Über das Dashboard können Behandlerinnen und Behandler Therapieverläufe datenbasiert verfolgen, Verhaltensmuster erkennen und potenzielle Rückfallrisiken frühzeitig identifizieren – eine echte Brücke zwischen digitaler Selbsthilfe und klinischer Versorgung.
Modernste KI-Technologie – flexibel und zukunftssicher
Technologisch setzt AddiHelp auf moderne Sprachmodelle, die eine natürliche, dialogbasierte Interaktion ermöglichen. Angesichts der rasanten Weiterentwicklung im Bereich der generativen KI wurde die App-Architektur bewusst modular und offen gestaltet, um neue Fortschritte kontinuierlich integrieren zu können.
Perspektive: DiGA-Zertifizierung und Kassenerstattung
Langfristig strebt Dreesbach eine Zertifizierung als Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) an. Damit könnte AddiHelp künftig ärztlich verordnet und von gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden – ein entscheidender Schritt hin zu einer breiten, barrierefreien Versorgung.
Mit dem bald fertiggestellten Prototyp steht das Projekt an einem Wendepunkt: Sollte sich das Konzept in der Praxis bewähren, könnte AddiHelp zu einer wichtigen digitalen Stütze in der deutschen Suchttherapie werden.
Link zur Seite: www.addihelp.eu

Comments (3)
Als Psychotherapeut sehe ich in AddiHelp ein spannendes Konzept, das die Lücke zwischen den Sitzungen gezielt adressiert. Besonders der Ansatz, Therapeutinnen und Therapeuten über ein Dashboard aktiv einzubinden, hebt sich positiv von vielen reinen Selbsthilfe-Apps ab. Wenn Wirksamkeit und Datenschutz gut belegt sind, kann so eine Anwendung unsere Arbeit in der Suchttherapie sinnvoll ergänzen, ohne sie zu ersetzen.
Ich bin zufällig auf ein Projekt zur KI‑gestützten Therapiebegleitung gestoßen und war direkt neugierig. Es ging mir nicht um die Technik, sondern darum, wie Menschen in schwierigen Phasen besser unterstützt werden können – gerade zwischen den Sitzungen, wenn man sich sonst schnell allein fühlt.
Besonders gefallen hat mir, dass jemand auch außerhalb der Sprechstunde einen Ort zum Schreiben und Sortieren seiner Gedanken hat. Gleichzeitig bleibt Raum, dass die Therapeutin die wichtigsten Punkte mitbekommt, ohne dass alles ständig aufgezeichnet werden muss.
Ich werde das Projekt weiter im Blick behalten, weil ich gespannt bin, wie es sich in der Praxis entwickelt – ob es mehr Leichtigkeit bringt, den Zugang erleichtert und das menschliche Miteinander nicht verdrängt, sondern stärkt.
Gute Lösung auch im Zusammenhang mit der politischen Diskussion der sinkenden Honorare für Therapierende.