Autor: Peter Wellmann / 7.01.2026

Gehören Sie zu den Leuten, die sich gerne etwas näher über ihre Gesundheit informieren möchten? Haben Sie häufiger Schlafprobleme und quälen sich morgens unausgeschlafen aus dem Bett? Daran könnten eventuell Atemprobleme Schuld sein, von der allgemein bekannten obstruktiven Schlafapnoe (OSA) bis hin zu komplexeren Störungen. Zeigen nächtliche Messung der Sauerstoffsättigung (SpO2) im Blut plötzliche sehr niedrige Werte oder merkwürdige Schwankungen (genaueres hierzu später), sollte man den Arzt aufsuchen, der einen gegebenenfalls in ein Schlaflabor überweist. Das dauert lange, und ist eine aufwändige, sehr teure Angelegenheit. Will man sich (auch zur Kontrolle des ärztlichen Vorgehens) erst einmal selbst informieren, kann man den Contec Polygraphen RS01 erwerben und gespannt sein, ob dieses mini "Handgelenk-Schlaflabor" überhaupt sinnvolle Ergebnisse liefern kann. Welche 4 Kanäle das RS01 aufgezeichnet, zeigt das Display (Abb. 1) 


Gerätebeschreibung: Dieser Bericht ersetzt keinen Test und kein Manual, er soll lediglich an einem Beispiel die Möglichkeiten des RS01 demonstrieren, und einige Anwendungstipps geben. Zunächst sollte man das Gerät zum "Trockentraining" mit der ON-Taste einschalten, mit der M-Taste das Menü durchtasten und anschauen. Das Menü ist einfach zu bedienen, man kann zur Übung versuchen Datum und Zeit einzustellen. Mit dem Menüpunkt RECORD startet und beendet man später die Aufzeichnung der Messwerte. Zur Messung befestigt man das Gerät am Handgelenk, den Schlauch für die "Nasenbrille" verlegt man am besten durch den Ärmel des Schlafanzugs, und legt die Brille korrekt nach Bedienungsanleitung an die Nase. Bei der nächtlichen Aufzeichnung sollte man nur durch die Nase und nicht durch den Mund atmen. Besonderes Augenmerk muss man auf die korrekte Funktion der SpO2 Klemme legen, die man an einer Fingerspitze ansetzt, und mit dem beigefügten Klettband umwickelt so befestigt, dass sich auch bei leichten Bewegungen eine zuverlässige, konstante Anzeige ergibt. Beispiel: Klettband so anbringen, dass der Ringfinger fest und tief in der Klammer sitzt. Kabel über den Handrücken und durch das Armband unten zum RS01 führen. Dann das RS01 einschalten, und auf störungsfreie SpO2 Anzeige testen. Jeder muss hier seine eigene Lösung finden. In der Nacht hält man den Arm möglichst ruhig. Nichtbeachtung dieser Hinweise führt zu unbrauchbaren Messungen (s. Abb. 2).




PC-Software: Die Darstellung der umfangreichen Messungen erfordert einen ausreichend großen Bildschirm, Download und Installation der ab Windows 7 laufenden PC-Software ResMon (Hinweise dazu befinden sich im Deckel der Geräteschachtel und im Handbuch) ist problemlos. Bei über USB angestecktem und eingeschaltetem RS01 entsteht ein temporäres Laufwerk am PC mit den als .bin-Dateien gespeicherten Daten, die beliebig gesichert oder nach ResMon importiert werden können. Wer die oft beigelegte englische Anleitung nicht lesen kann, benötigt eine deutsche Version, wie sie von Trendmedic geliefert wird. Man sollte dann zunächst etwas mit ResMon "spielen", um die Funktion zu ergründen, dabei darf man unbekannte Einstellungen und Parameter zunächst keinesfalls(!) verändern, sofern man deren Funktion nicht 100% verstanden hat.

Hauptbildschirm: Wählt man nach dem Start von ResMon die Option CASE MANAGE und klickt dann doppelt auf die links aufgeführte Messung DEMO-1, gelangt man zum Hauptbildschirm (falls keine Demo-Datei vorhanden ist, muss man eine eigene kurze Messung machen und mit IMPORT CASE DATA importieren). Der Schirm zeigt von oben nach unten: FLOW (Atmung), PULSE (Herzfrequenz), SpO2 (Sauerstoffsättigung) und PLETH (Plethkurve). Statt 1 Min setzt man im Fenster recht unten10 Min ein, und erhält den Bildschirm für 10 Min der Demokurve. In der Flow-Kurve zeigen braune Flächen Atemstillstand an, und rosa Flächen reduzierte Atmung. Mouseover zeigt die Dauer der Bereiche. In der SpO2 Kurve zeigt Türkis die Phasen der Desaturation (abnehmender Sättigung), sowie deren Dauer und Stärke. Durch Betätigung der Symbole rechts an den Kurven kann man die Amplitude und Lage der Kurven einstellen (bitte ausprobieren). Die beiden schmalen Bereiche in der Pulskurve geben den maximalen und minimalen Puls an (Mouseover). Sehr wichtig: Linksklick auf die kleine gepunktete Linie unten genau in Bildschirmmitte teilt den Bildschirm in zwei Teile. Setzt man unten rechts 1 Min ein, so erhält man unten einen 1 Minuten Ausschnitt um die Stelle, auf die man in der oberen Bildschirmhälfte mit der Maus klickt. Man probieren das mit der Demodatei aus! Hat man später z.B. 8 Stunden Schlaf aufgezeichnet, und wählt für die obere Schirmhälfte 4 Stunden sowie für die untere Bildschirmhälfte 10 Min, dann zeigt der obere Schirm eine 4 Sunden Übersicht, und der untere Schirm einen 10 Minuten Ausschnitt aus dieser Übersicht an der Stelle der dünnen schwarzen Linie, die beim Mausklick in den oberen Bildschirm erscheint. Horizontales Verschieben beider Kurven kann mit den Bildlaufleisten in jedem Teilbildschirm erfolgen.


Beispiel aus der Praxis: Die Abbildung 3 zeigt im oberen Bildschirm 4 Stunden einer nächtlichen Messung, man erkennt fünf Blöcke, jeder mit vielen kurzen Atemstillständen. Ein 10-Minuten Ausschnitt aus dem mittleren Block im Bereich der dünnen schwarzen Linie ist im unteren Bildschirm zu sehen. Man erkennt dort 9 Gruppen aus Atemstillstand + Atmung, eine solche Gruppe dauert jeweils fast genau 1 Minute. Zu jedem braunen Block einer Gruppe gehört ein etwas später (weiter rechts) beginnender türkiser Block in der darunter liegenden SpO2 Kurve. Er zeigt die Dauer der durch den Atemstillstand erzeugten SpO2 Abnahme (Desaturation). Alleine in den oben dargestellten 4 Stunden ergeben sich etwa 80 totale Atemstillstände im Mittel von 30 Sekunden Dauer, zusammen also etwa 40 Minuten totaler Atemstillstand. Damit ist eindeutig eine schwere periodische Atemstörung dokumentiert. Zur genaueren Betrachtung zeigt der obere Teil von Abbildung 4 noch einmal einen vergrößerten Ausschnitt aus Abbildung 3. Selbstverständlich erstellt ResMon auch umfangreiche farbige Protokolle der kompletten Untersuchung zur Übermittlung an den Arzt.

Grund für obige Messung: Herzprobleme wurden monatelang klinisch untersucht und behandelt, ihre Ursache blieb aber völlig unklar. Als dem Patienten(!) auch noch merkwürdige Schwingungen in der nächtlichen SpO2-Kurve auffielen, erwarb er ein RS01, und entdeckt die oben dargestellten Atemstillstände als Ursache (siehe Abb. 4 unten). Dass diese auch Herzprobleme verursachen können wurde wohl aus mangelndem fachübergreifendem Denken in der Kardiologie übersehen, erst nach Vorlage der RS01 Protokolle durch den Patienten(!) führte der Weg dann endlich korrekt in Richtung Schlaflabor, ein eigentlich unglaublicher Vorgang.'


Fazit: Ein Schlaflabor bestimmt im Vergleich zum RS01 mit extrem hohem Aufwand wichtige zusätzliche Parameter wie EKG und EEG, und misst viel genauer (z.B. die Atmung nicht nur qualitativ aus der Nase). Dennoch ist das kleine RS01 für einen ersten Check eine hervorragende Wahl, und liefert bei korrekter Anwendung beeindruckend aussagekräftige Daten, im Beispiel den sicheren Hinweis auf "periodische Atmung". Warum solche Geräte nicht in jeder Arztpraxis für erste schnelle und kostengünstige Überprüfungen zugelassen sind, ist völlig unverständlich. Zuletzt noch ein Tipp zum Erwerb eines RS01: Kein Ärger mit Zoll, Zubehör, Garantie, Kundenservice und deutscher Anleitung ist wichtiger als ein minimaler Preis.


Link zum Produkt: https://www.trendmedic.de/de/contec-rs01-polygraphie-system-zur-atmungsmessung/